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Position des GER zum sächsischen Betreuungsschlüssel

 

Der Betreuungsschlüssel beträgt in Sachsen im Kinderkrippenbereich 1 : 6 (d. h. auf eine Erzieherin kommen sechs Kinder) und im Kindergartenbereich 1 : 13. Damit gehört er im Bundesvergleich zu den schlechtesten Betreuungsschlüsseln.

Der genannte Betreuungsschlüssel ist kein Gruppenschlüssel sondern ein Personalschlüssel. Das bedeutet, man bezieht sich nicht auf die absolute Anzahl der Kinder in einer Gruppe, sondern auf das relative Verhältnis des Erziehungspersonals zur Anzahl der Kinder.

 

Beim sächsischen Personalschlüssel wird davon ausgegangen, dass eine Erzieherin mit einem 40 Stunden Arbeitsvertrag 6 bzw. 13 Kinder mit je einem 45-Stunden-Betreuungsvertrag betreut. Allerdings besuchen jedoch nicht alle Kinder 45 Stunden in der Woche eine Kindertageseinrichtung. Gerade in der Kinderkrippe sind die Kinder meist nur 30 Stunden in der Woche oder weniger anwesend, damit kann die Anzahl der Kinder steigen.

 

Rein rechnerisch könnte also eine Vollzeit-Erzieherin auf 9 Krippen-Kinder mit je einem 30 Stunden-Betreuungsvertrag aufpassen und der Betreuungsschlüssel würde nach wie vor eingehalten. Dabei ist zu bedenken, dass Krippen-Kinder häufig noch nicht laufen können, gewindelt und zum Teil auch gefüttert werden müssen. Das unter diesen Bedingungen auch noch der Bildungsplan erfüllt werden soll, ist so gut wie unmöglich.

 

Der Gruppengröße in den Kindertageseinrichtungen ist nach oben lediglich die Grenze durch räumliche Vorgaben gesetzt. So stehen jedem Krippenkind 3 qm Gruppenraum zur Verfügung und jedem Kindergartenkind 2,5 qm. Die maximale Anzahl der Kinder für einen Raum legt das Landesjugendamt für die einzelnen Einrichtungen fest.

 

In den oben genannten Betreuungsschlüssel sind in der Arbeitszeit der Erzieherinnen auch die Urlaubstage, Zeiten für Weiterbildung, Krankheit und auch die vom Bildungsplan vorgeschriebene Zeit für Vor-/ Nachbereitung, Dokumentation und Elterngespräche enthalten. Die Arbeitszeit, die damit nicht mit dem Kind verbracht werden kann, beträgt in der Praxis durchschnittlich 30 Prozent. Das heißt, die praktische Relation Erzieherin : Kind liegt in Sachsen in der Kinderkrippe meist bei 1 : 8 und im Kindergarten bei 1 : 17.

Wohlgemerkt wird der gesetzlich vorgegebene Personalschlüssel damit nicht verletzt, denn diese Zeiten sind einkalkuliert.

 

Zahlreiche Eltern sind unzufrieden mit den Bedingungen vor Ort. Dieser Missmut schlägt jedoch nicht selten auf die Erzieherinnen und Leiter der Kindertageseinrichtungen zurück. Die ohnehin anstrengenden Arbeitsverhältnisse, die hohen Erwartungen und die andererseits nicht angemessene Wertschätzung ihrer Arbeit in der Gesellschaft sind sicher auch ursächlich für den hohen Krankheitsstand der Erzieherinnen.

 

Der GER ist mit dieser Situation äußerst unzufrieden. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen können die Erzieherinnen sich nicht angemessen um die Kinder kümmern und schon gar nicht den qualitativ hohen Anspruch des Bildungsplanes umsetzen.

 

Für eine zukunftsfähige Gesellschaft ist eine qualitativ hochwertige Betreuung und Bildung von Anfang an bestimmend. Kosten die in diesem Bereich im Kindesaltern investiert werden, zahlen sich mittel- und langfristig auf alle Fälle aus. Dies bedeutet auch, dass es sich gerade dann lohnt hier Geld anzulegen, wenn die Kassen nicht so üppig gefüllt sind. Denn es zahlt sich aus! Es ist für eine Gesellschaft wesentlich effizienter, Kinder von klein auf optimal zu versorgen, als später für die wesentlich höheren Folgekosten (Therapien, Förderschulen bis hin zur Arbeitslosigkeit) aufzukommen bzw. mit dem Problem des Kindermangels zu kämpfen.

 

Der GER verlangt eine qualitativ hochwertige Betreuung der Kinder in den Kindertageseinrichtungen und fordert deshalb einen deutlich verbesserten Betreuungsschlüssel! Dabei orientiert sich der GER an den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung, die in einer aktuellen Studie einen Personalschlüssel im Kinderkrippenalter von 1 : 3 vorschlägt und im Kindergartenalter von 1: 8.

 

Die Unterschriften-Aktion, die im Sommer 2009 lief, soll auf die Entscheidungsträger auf allen Ebenen Druck machen und das gesteigerte Interesse an einer qualitativ hochwertigen Betreuung der Kinder verdeutlichen.

 

Gemeinsam können wir etwas erreichen!